Philosophischer Essay Wettbewerb 2012

Seit dem Schuljahr 2007/2008 nehmen Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums am Bundeswettbewerb Philosophischer Essay teil. Gleich beim ersten Mal belegte Anne Petzold, Schülerin der Jahrgangsstufe 13, den zweiten Platz im Land Berlin. Ihren Essay finden Sie unter dem Menüpunkt „Schülertexte“.

Die strahlende Siegerin und ihre Fangemeinde. Schülerinnen und Schüler des Philosophiekurses
während der Siegerehrung in der Rosa-Luxemburg-Oberschule in Pankow im April 2008.

Auch im Jahr 2012 ging der 2. Platz an eine unserer Schülerinnen, Katharina Bleisch. Ihren Essay zum Thema „Darf Kunst alles?“  finden Sie unter der Rubrik Texte zur Weisheit: Ästhetik.

Einladung zum Bundes- und Landeswettbewerb
Philosophischer Essay (November 2012)


Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II in allen Bundesländern werden aufgerufen, sich am Bundeswettbewerb Philosophischer Essay zu beteiligen.

Die Themen lauten in diesem Jahr:

I.
Darf Kunst alles?
(Dieses Thema hat Prof. Reinold Schmücker vorgeschlagen, der bei der Winterakade-mie 2012 einen Vortrag hielt.)
II.
„Die unzufriedenen Friedensfreunde, die mit dem Zustand des nichtfließenden Blutes noch nicht genug haben, denken in den Bildern eines messianischen Reiches, in dem Wolf und Lamm miteinander weiden. Die kleine Unwahrscheinlichkeit, daß der Wolf da-bei überleben kann, indem er Gras frißt, wird hingenommen, obwohl sie doch an den Zeitpunkt denken läßt, an dem die Wölfe vom Aussterben bedroht sein werden und sich die Wolfsfreunde zusammentun müssen, um von irgendwoher Lämmer für die Wolfser-haltung zu beschaffen – die Lämmer von anderen Weiden natürlich. Man merkt, daß es ein anderer sein mußte, der sich den messianischen Zustand ausgedacht hat, als der, der sich die Natur ausgedacht hatte.“
(Hans Blumenberg: Ein mögliches Selbstverständnis. Reclam, Stuttgart 1997, S. 147 f.)
III.Ist die aus religiösen Traditionen begründete Beschneidung von Jungen, die aufgrund ihres Alters nicht einwilligen können, unmoralisch?
IV.
Wie viele Menschen wohnen denn in uns? Einer oben, einer in der Mitte, einer im Keller? Vielleicht auch einer gefesselt irgendwo in einem verriegelten Kabinett? Ich misstraue der Psychologie und der Psychoanalyse. [...] Man kann den Dämon des Menschen wohl andeutungsweise beschreiben, aber sezieren kann man ihn nicht [...] Der Dämon bleibt: Schmerzen, Tod, Liebe, Hass.
(George Grosz: Ein kleines Ja und ein großes Nein. Dresden 1925. Abdruck in George Grosz: Der Spießer-Spiegel. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a. M. und Wien, 2000)

Zu den Anforderungen an die Essays im Rahmen dieses Wettbewerbs

Die fünf Kriterien der Bewertung sind die der Internationalen Olympiade: 1) Relevanz für das Essay­­-Thema,2) philosophisches Verständnis des Themas (nicht unbedingt fachwissenschaftliche Korrektheit), 3) argumentative Überzeugungskraft, 4) Kohärenz (innere Stimmigkeit) und 5) Originalität.

Zum 1. Kriterium: Analysieren Sie das Thema. Suchen Sie nach philosophischen Positionen, aber auch nach Erfahrungen aus Ihrem Leben oder Ihren Lektüren. Vermeiden Sie es, Wissen auszubreiten, das sich nicht auf das Thema bezieht. Sie können die Fragestellung einengen oder akzentuieren; erläutern Sie das bitte in der Einleitung.

Zum 2. Kriterium: Schreiben Sie einen philosophischen Essay, keinen politischen oder naturwissenschaftlichen. Wenn Sie die Positionen von Philosophen wiedergeben, nützen Sie diese für die Entwicklung Ihrer eigenen Gedanken.

Zum 3. und 5. Kriterium: Im Unterschied zu einem wissenschaftlichen Aufsatz und einer Facharbeit ist ein Essay kürzer und formal freier; insofern kann es dafür keine verbindliche Richtlinien geben. Er kann durchaus subjektiv sein und (Denk-) Anstoß erregen. Eine bloße Artikulation Ihrer Meinung genügt allerdings nicht.

Erfolgreiche Essays formulieren meist mit klaren Begriffen eine klare These zum vorgegebenen Zitat. Sie werden Ihre Leser v. a. mit klugen Argumenten überzeugen. Mit Beispielen können Sie für Anschaulichkeit sorgen. Es kann helfen, Alternativpositionen darzulegen; Sie dürfen sie dann aber auch polemisch angreifen.

Es gilt weiterhin der Beschluss, die hauptsächlich kreativen Formen des Essays (z. B. Theaterszenen oder Textcollagen) nicht zuzulassen. Zwar haben solche Formen eine wertvolle Bedeutung im Unterricht, doch können sie in einem Wettbewerb schwerlich in eine Rangfolge mit analytisch-argumen­tie­renden Essays gebracht werden.

Der Essay kann als Vorübung für eine mögliche Teilnahme an der Winterakademie und der  Internationalen Philosophie-Olympiade auch in Englisch oder Französisch verfasst werden. Dort ist die Benutzung eines Wörterbuchs (auch zweisprachig) erlaubt. (Erfahrungsgemäß bereitet es den Schülerinnen und Schülern weniger Mühe als erwartet, ihren Aufsatz in einer Fremdsprache zu schreiben. Gegenüber sprachlichen Fehlern ist die Jury großzügig.)

Der Essay darf maximal vier Seiten umfassen. (Dabei gehen wir von der Schriftart Times New Roman in Größe 12 aus, drei Zentimeter Rand, einzeilig geschrieben.)

Die Essays sollten am besten mit einer Heftklammer versehen sein, nicht in Klarsichtfolie oder gar noch aufwendiger eingereicht werden.

Der maschinegeschriebene Text soll bis 6. Dezember 2012 eingesandt werden.

Im Kopf jeder abgegebenen Arbeit sollten der Name der Verfasserin bzw. des Verfassers, die Jahrgangsstufe, der Name der zuständigen Lehrkraft, die Schul- und Privatadresse (möglichst mit e-mail) angegeben werden; so können die Teilnehmer der Winterakademie schneller verständigt werden.

Am Ende des Essays soll folgende Erklärung stehen:

Ich versichere, dass ich die Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen benutzt habe und alle Entlehnungen als solche gekennzeichnet habe. (Unterschrift)

Die Auswertung der eingegangenen Essays

Sie wird nach Bundesländern vorgenommen, in NRW in den fünf Regierungsbezirken. Bundesländer, die einen Landesbeauftragten für das Essayschreiben ernannt haben und sich finanziell an den Kosten der Winterakademie beteiligen, erhalten einen festen Schülerplatz  bei der Winterakademie. Die übrigen Plätze werden proportional zur Zahl der Einsendungen vergeben. Aus jedem NRW-Bezirk werden - je nach Teilnehmerzahl - drei bis fünf Teilnehmer ausgewählt; aus den anderen Bundesländern kommen (wenn die Zahl der Einsendungen etwa der des Vorjahres entspricht) fünf weitere Teilnehmer hinzu; sie werden in der zweiten Woche des nächsten Halbjahres, vom 5. bis 8. Februar 2013 zur Philosophischen Winterakademie nach Münster/Westf. eingeladen, die von der Bezirksregierung Münster in Kooperation mit der Akademie Franz-Hitze-Haus, der „Josef-Pieper-Stiftung“, der Universität Münster und dem Fachverband Philosophie e. V. durchgeführt wird.

Auf der Winterakademie werden erneut Essays geschrieben (in vier Zeitstunden, auf Englisch oder Französisch), und philosophische Vorträge werden gehört und diskutiert. Die Resonanz auf die bisherigen Akademien war so erfreulich, dass wir darauf vertrauen können, dass auch das nächste Treffen für diejenigen, die sich für Philosophie begeistern, zu einem besonderen Erlebnis wird.

Zur Internationalen Philosophie-Olympiade

1989 rief die Philosophische Fakultät der Universität Sofia eine Phi­losophie-Olympiade als nationalen Wettbewerb ins Leben. Seit 1993 ist der Wettbewerb international; es beteiligten sich bisher 45 Länder mit je­weils zwei Schülerinnen oder Schülern. Das veranstaltende Land kann zehn Teilnehmer melden. Alle Teilnehmer der internationalen Olympiade müssen ihren Essay in einer Fremdsprache verfassen. (Seit 2011 ist auch Spanisch zugelassen.) Die Reisekosten tragen die Teilnehmer (oder deren Sponsoren), die Aufenthaltskosten trägt der jeweilige Veranstalter.

Die IPO wird von der UNESCO ideell unterstützt: Im Bericht der 171. Sitzung des Executive Board der UNESCO vom 28. Februar 2005 wird als Ziel genannt: „supporting  the development of International Philosophy Olympiads”. Die Internationale Philosophie-Olympiade lässt die Teilnehmer erfahren, wie sehr die Völker der teilnehmenden Länder, weit über die Grenzen der EU hinaus, durch die gemeinsame Kultur verbunden sind.

Die beiden Sieger des letzten Bundeswettbewerbs vertraten Deutschland erfolgreich auf der XX.Internationalen Philosophie-Olympiade in Oslo: Niklas Plaetzer (Gymnasium Wolbeck, Münster/Westf.) erhielt bereits zum zweiten Mal eine Bronze-Medaille, diesmal als einer der besten unter 81 Essayschreibern aus 37 Ländern. Die Essaythemen sowie einzelne Essays finden Sie auf der Website und einen kurzen Euronews-Bericht hier: www.youtube.com/watch?v=aXmkx4QUrvI

Beispiele erfolgreicher Essays und weitere Informationen über den Wettbewerb gibt es hier:

www.schulministerium.nrw.de  --> Suche: Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay

Sie gelangen direkt zur Adresse über diese Kurzform: http://bit.ly/c8uhsQ

Philosophischer Essay Wettbewerb der EF 2016


Auch im Sommerhalbjahr 2016 fand am AWG wieder der schulinterne Essaywettbewerb im Fach Philosophie für die Schülerinnen und Schüler der EF statt. Im Rahmen des Erasmus-plus-Programms wurden ihnen drei Themen zur Wahl gestellt, die allesamt auf eine Auseinandersetzung mit den europäischen Werten Demokratie, Freiheit, Achtung der Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit abzielten. Mit Bezug auf den Wert der Rechtsstaatlichkeit verfasste Kira Lynn Schlüter den Siegeressay zu einem Zitat von Niccolò Macchiavelli: „Ein Fürst, und namentlich ein neuer Fürst, kann nicht so handeln, wie die Menschen gewöhnlich handeln sollten, um rechtschaffen genannt zu werden; das Staatserfordernis nötigt ihn oft, Treue und Glauben zu brechen und der Menschenliebe, der Menschlichkeit und Religion entgegen zu handeln. Er muss also nach dem Winde segeln, aber nicht ganz vom Wege des Guten ablenken, solange dies nur möglich ist; erst dann muss er ohne Bedenken Verbrechen begehen, wenn es die äußerste Not erfordert.“ (Link zum Siegeressay)Den zweiten Preis erlangte Selmar Ibrahimovic mit einem Essay über demokatietheoretische Fragen, der dritte Preis ging an Fatima Bulatowa für ihren Essay über den Begriff der Toleranz. Die Gewinnerinnen und der Gewinner wurden mit Büchergutscheinen für ihre bemerkenswerten Leistungen belohnt. Herzlichen Glückwunsch!

Siegeressay von Kira Lynn Schlüter

 

 

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